Marlen über Nikita

Im Sommer 2015 waren meine Familie und ich nach über 25 Jahren mit Hunden bereits über ein Jahr ohne Hund. Jeder Hundeliebhaber weiß, dass das absolut kein Zustand ist. Für mich war es kaum auszuhalten, da ich es seit meiner Kindheit gewohnt war, immer mindestens einen und zu den schönsten Zeiten sogar drei wunderbare Hunde auf einmal haben. Trotzdem fiel es uns anfangs nicht leicht, die Entscheidung für einen neuen fusseligen Familienzuwachs zu fällen. Jeder der sein Herz schon mal an einen Hund verloren hat, weiß wie groß der Schmerz ist, wenn der Abschied gekommen ist. Dennoch erwischte ich mich immer öfter dabei wie ich auf der Website des Berliner Tierheims und bei Züchtern nach einem passenden Hund Ausschau hielt. Ich konnte mich aber nie wirklich überwinden, einen Besuchstermin auszumachen. Das änderte sich als ich bei Ebay Kleinanzeigen die Anzeige von Animal Soul Savior entdeckte. Der Gedanke, einen Hund aufzunehmen, den ich vorab nicht kennenlernen konnte, war mir eigentlich befremdlich. Was ist, wenn es einfach nicht passt? Muss nicht auch bei Hund und Herrchen die Chemie stimmen? Die Idee mich nach einem tierischen Blind-Date für die kommenden Jahre zu binden schien mir etwas ungewiss. Nichtsdestotrotz schaute ich mir die Hunde auf der Facebook-Seite des Vereins an und war sofort bereit, einen der Hunde bei mir aufzunehmen. Die Hundegesichter, die mich auf dem Bildschirm anstrahlten, bestärkten mich darin, dass ich es auf einen Versuch ankommen lassen wollte. Aber wen wähle ich aus? Am längsten blieb ich auf dem Profil von Nikita (1,5 Jahre) hängen. Beschrieben wurde sie als die Hündin mit dem traurigen Blick und die Bilder gaben der Beschreibung recht. In Absprache mit meiner Familie entschieden wir, dass Nikita genau die Richtige für uns ist und wir sie adoptieren werden. Vor der Adoption fragt Animal Soul Savior in einem umfangreichen Fragebogen ab, inwiefern der Adoptant schon Erfahrung mit Hunden hat – man liest es in jedem Forum – ein Hund aus dem Tierschutz ist nicht unbedingt für Hundeanfänger geeignet. „Anfänger“ sind wir in unser Familie mit der Erfahrung von 4 Hunden – darunter einem Findling und zwei Tierheimhunden – schon lange nicht mehr. Aber dennoch war mir bewusst, dass Nikita eine große Herausforderung werden könnte und ich vor allem Geduld brauchte – eigentlich nicht meine stärkste Tugend. Die Kontaktaufnahme mit Animal Soul Savior war unkompliziert und sofort freundschaftlich. Sarah und ich haben zahlreiche E-Mails geschrieben und Telefonate geführt, in denen all meine Fragen ausführlich besprochen und beantwortet wurden. Bevor ich den Schutzvertrag unterschreiben durfte, wurden wir und unser Haus vom Tierschutz gecheckt, damit Nikita auch wirklich alles so vorfindet wie ich es vorher angekündigt hatte. Gemeinsam mit Sarahs Berliner Kollegin hatten wir ein wunderbares Gespräch und durften kurze Zeit später den Vertrag für Nikita unterschreiben und die Schutzgebühr überweisen. Der Termin für Nikitas Ankunft wurde auf den 14. August festgelegt – ein Tag vor meinem Geburtstag und ich muss sagen, ich war aufgeregter als vor so manchem Date. Immer wieder hab ich Nikitas Profil auf Facebook angeschaut, mir Screenshots davon gemacht und sie angeschmachtet. Zur Ablenkung habe ich den Fressnapf in meiner Nähe mindestens zwei Mal leer geshoppt.

 

Es hat alles nichts geholfen. Am Tag von Nikitas Ankunft war ich ein nervliches Wrack. Schon am Abend zuvor habe ich Sarah mit Nachrichten bombardiert und mir Bilder von Nikita im Transporter schicken lassen, die mir die Tränen in die Augen treten ließen. Dieser süße Hund war also gerade auf dem Weg zu mir. Unglaublich. So viel Glück. Ein schöneres „Geschenk“ konnte ich mir kaum vorstellen. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn ich nicht am Steuer unseres Autos gesessen hätte, aber ich musste einfach ordentlich aufs Gas drücken, damit wir pünktlich am verabredeten Treffpunkt ankommen. Als wir den Parkplatz erreichten, war der Transporter nach 24 Fahrt bereits da. So konnten wir miterleben wie vor uns weitere Adoptanten ihren Schützling in Empfang nehmen konnten. Als ich Dana von Animal Soul Savior das mitgebrachte Hundegeschirr übergab, war die Aufregung bei uns allen spürbar und als sie mit Nikita aus dem Transporter kam, waren die Tränenschleusen weit geöffnet. Sie war noch viel schöner und süßer als auf den Bilden und mit ihrem schüchternen Schwanzwackeln hat sie sich direkt in unser Herz gewedelt. Die gesamte Heimfahrt über saß Nikita auf meinem Schoß und hat sich mit getrocknetem Rindfleisch verwöhnen lassen. Ich weiß bis heute nicht, ob ihr es auch so ging, aber bei mir war es schon Liebe auf den ersten Blick. Zuhause angekommen durfte Nikita erst einmal den Garten erkunden – gesichert mit Geschirr, Halsband und Schleppleine. Auch wenn unser Garten immer noch hundesicher war, wollte ich kein Risiko eingehen. Damit sie ihr neues zuhause in Ruhe kennenlernen konnte, legte ich mich auf die Gartenliege und beobachtete die Kleine bei ihren ersten Schritten. Es dauerte aber nicht lange und schwupps war die Lütte neben mir auf die Liege gehüpft, um zu schmusen. Das war aber ein unbeschreiblich schöner Moment. Ich dachte, es würde ewig dauern, bis sie soviel Vertrauen gefasst hat. Wie unsicher sie aber wirklich war, merkte ich als ich ihr das Haus zeigen wollte. Das erste große Hindernis waren die Treppen und davon gibt es bei uns ganz schön viele. Da half nur eins: den Hund nach oben tragen und üben sobald sie sich eingelebt hat. Nachdem sie unsere Wohnung erkundet hatte, ging das Verwöhnprogramm für kleine rumänische Hündinnen in Stufe zwei über: leckeres Hundefutter aus der Dose gemischt mit frischem Schabefleisch. Nach der Fütterung schrieb ich Sarah, dass Nikita gut angekommen ist, schickte ihr die ersten Bilder und verkündete, dass auch ihr Appetit hervorragend sei. Sarah antwortete, dass die Hunde im Shelter gewöhnt sind, direkt nach dem Fressen ihr Geschäft zu verrichten. Zu spät. Als ich mich zu Nikita umdrehte, war dass kleine Unglück schon in vollem Gange. Wozu gibt es Zewa? Zudem war ich von Anfang an durch Animal Soul Savior informiert, dass in der ersten Zeit auch mal was daneben gehen konnte. Ich habe bei Animal Soul Savior von Anfang gut aufgehoben gefühlt und wusste dank Sarah und ihren Kollegen, dass es nicht an mir liegt, wenn anfangs nicht alles klappt und ich immer auf ihre Unterstützung zählen kann. Die ersten Tage mit Nikita waren aufregend und voller neuer Herausforderungen. Neben den Treppen, war das Geschäft im Freien, Gassi gehen und die Tatsache, dass sie sich einfach an das neue Zuhause gewöhnen musste, nicht so leicht für sie. Ich bin froh, dass ich die erste Zeit frei hatte und mich voll um die Kleine kümmern konnte. Nikita machte aber von Beginn an riesige Entwicklungsschritte, jeden Tag überraschte sie uns von neuem mit ihrem Mut und den Fortschritten. Die Treppen waren schon nach drei Tagen kein Problem mehr, das Geschäft im Garten zu verrichten, ging ab dem zweiten Tag mit kleinen Rückschlägen ganz wunderbar. Bis sich Nikita allerdings traute, sich auf der Straße zu lösen, dauerte es noch über einen Monat.

 

Bis heute ist sie noch unsicher, wo sie ihr großes Geschäft verrichten soll und braucht meist mehrere Anläufe. Als größtes Problem stellte sich ihre Angst auf der Straße heraus. Dunkelheit, Böller, Menschen und andere Hunde, die zu weit von uns weg waren, waren immer Grund genug zum Bellen, ausflippen oder davon laufen. Zum Jahresende wollte Nikita nicht mehr mit mir spazieren gehen und fing wieder an, in die Wohnung zu machen. Ich befragte immer wieder unsere Tiertrainerin und befolgte ihre Tipps. Es stellte sich jedoch keine Besserung ein. Im Gegenteil. Es wurde immer schlimmer. Mit anderen ging Nikita spazieren, mit mir nur noch ungerne. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, wollte ich eine andere Hundetrainerin treffen und mir ihren Rat einholen. Im neuen Jahr trafen wir uns und besprachen während eines Spaziergangs über meinen Problemhund. Das „Problem“ war nur, dass Nikita auf einmal überhaupt keine Probleme mehr hatte. Obwohl wir zig anderen Menschen und Hunden im Park begegneten, war Nikita der liebste Hund der Welt. Die Diagnose der Trainerin stand schnell fest: Das Problem war ich. Ich bin offenbar eine Helikopterhundemutter und habe Nikita mit meiner Zuwendung überfordert. Eine Zuwendung, die mir die erste Hundetrainerin eingeimpft hatte. Ich hatte es mir schon fast gedacht und auch gehofft. Denn an mir konnte ich einfacher arbeiten als ihre Traumata aufzuarbeiten. Bereits bei unserem ersten abendlichen Spaziergang nach der „Diagnose“ ging Nikita nach kurzem Zögern mit mir spazieren. Seit dem sind ein paar Wochen vergangen und Nikita ist nicht mehr nur zuhause, sondern auch auf der Straße der perfekte Hund. Mit der neuen Trainerin arbeiten wir momentan viel an ihrem Gehorsam und der Angst gegenüber fremden Menschen und der Dunkelheit. Aber auch dabei macht sie große Fortschritte und wird sicher bald ein angstfreier Hund sein. Nikita wohnt inzwischen seit sechs Monaten bei uns. Die Entscheidung, einen Hund aus dem rumänischen Tierschutz zu adoptieren, haben wir nie bereut. Nikita ist verschmust, liebevoll und toll zu Menschen sowie anderen Hunden. Sie macht unsere gesamte Familie wahnsinnig glücklich und ist ein vollwertiges Familienmitglied. Man muss natürlich dazusagen, dass Nikita kein schwertraumatiserter Hund ist. Sie hatte zwar keinen leichten Start ins Leben, wurde als Welpe aus einer Tötungsstation gerettet und fand schnell Unterschlupf und Liebe bei Cora, aber musste offenbar keine allzu großen Grausamkeiten ertragen. Andere Hunde aus Rumänien haben leider schlimmeres erlebt und man merkt es ihnen auch an. Durch unsere Animal Soul Savior Facebook-Gruppe, weiß ich, wie hart viele Savior mit ihren Seelen arbeiten. Manchmal sind sie ratlos, aber die meiste Zeit unheimlich stolz auf die Fortschritte ihrer Hunde. Der Austausch zwischen uns ist absolute klasse und man kann sich sicher sein, in der Gruppe schnell Unterstützung zu finden. Es ist und bleibt aber eine Herausforderung. Jeder Adoptant sollte wissen, dass er sich einen sehr zeitintensiven Familienzuwachs holt, der es aber jeden Tag dankt.

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